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Glossar
Bisphosphonate
- Wirkmechanismus
Bisphosphonate sind sehr effektiv bezüglich der Normalisierung einer erhöhten Knochenabbaurate, indem diese eine Art mechanische Schutzhülle um die einzelnen Knochenbälkchen bilden und so einen weiteren knöchernen Abbau im Rahmen des Remodeling durch die Osteoklasten (knochenabbauende Zellen) verhindern. Die Bisphosphonate reichern sich sozusagen zwischen der Knochenoberfläche und den Osteoklasten an. Des weiteren führen die Bisphosphonate zu einer Zerstörung der Osteoklasten (Apoptose), d.h. die Lebensdauer der Osteoklasten wird verkürzt.
Moderne Bisphosphonate (die sog. Aminobisphosphonate) wie Alendronat und Risedronat haben gegenüber älteren Bisphosphonaten wie z.B. Etidronat den Vorteil, dass sie sich speziell unter der Oberfläche von diesen Osteoklasten anreichern (sammeln). Osteoklasten sondern Säuren ab, um den Knochen aufzulösen. Da die Aminobisphosphonate eine basische Endgruppe (eben die zu ihren Namen führenden Aminogruppe) tragen, werden diese von der abgesonderten Säure "angezogen". Dadurch müssen diese nicht mehr die gesamte Knochenoberfläche "überziehen", sondern nur diejenigen Bereiche, wo eben gerade die Osteoklasten (die "Angreifer) ihre Aktivität entfalten. Die modernen Aminobisphosphonate sind daher wesentlich aktiver als die älteren Bisphosphonate wie z.B. Etidronat, weshalb hier bereits viel geringere Dosierungen ausreichen, um den gewünschten Effekt zu erzielen.
Effekte auf den Knochen
Bisphosphonate bewirken so eine effektive Hemmung des weiteren Knochenabbaus. Daneben kommt es - wahrscheinlich über die normale Aktivität der knochenaufbauenden Zellen, der Osteoblasten, in der Regel auch zu einer gewissen Zunahme der Knochendichte von ca. 2-3% pro Jahr, zumindest während der ersten 3 Jahre der Behandlung. Diese Knochendichtezunahme ist vor allem eine Folge der (zwar ebenfalls durch die Bisphosphonate reduzierten) Aktivität der Osteoblasten und nicht eine unmittelbare Wirkung der Bisphosphonate auf den Knochen.
Wichtigste Wirkung der Bisphosphonate ist die Senkung der Knochenbruchrate bzw. des Knochenbruchrisikos! Vor allem die Rate der Wirbelbrüche reduziert sich unter Behandlung mit Bisphosphonaten um ca. 50% bzw. - wenn schon mehrere Wirbelbrüche vorhanden sind - um bis zu 90% gegenüber unbehandelten osteoporotischen Patientinnen. Auch am Oberschenkelhals konnte unter einigen Aminobisphosphonaten eine Reduktion der Bruchhäufigkeit um annähernd 50% nachgewiesen werden. Ein Nachteil der Bisphosphonate ist allerdings, dass diese in den Knochen eingebaut werden und dort mit einer Halbwertszeit von ca. 10 Jahren sehr lange verbleiben. Daher sollten Bisphosphonate wegen nicht sicher auszuschließender Missbildungen während einer Schwangerschaft auf keinen Fall gegeben werden (dies trifft jedoch für die meisten Medikamente zu). Generell besteht die Zulassung für den Einsatz der Bisphosphonate derzeit nur zur Behandlung der Osteoporose für Frauen nach der Menopause ("postmenopausale Osteoporose"), allerdings werden sie mittlerweile aufgrund des Wirkmechanismus zunehmend auch bei jüngeren Frauen eingesetzt. Dies sollte aber nur nach sorgfältiger Überprüfung der Behandlungsnotwendigkeit geschehen.
Derzeit werden vor allem folgende Bisphosphonate eingesetzt:
Alendronat (Fosamax®) Tablette (Aminobisphosphonat)
Risedronat (Actonel®) Tablette (Aminobisphosphonat)
Ibandronat (Bonviva®) Tablette (einmal im Monat)
Etidronat (Didronel®) Tablette
Pamidronat (Aredia®) intravenös zu verabreichen
Ibandronat (Bondronat®) intravenös zu verabreichen
Zolendronat (Aclasta®) intravenös zu verabreichen
Gemeinsam haben alle Bisphosphonate die Eigenschaft, die Aktivität der Osteoklasten und damit die Knochenabbaurate zu bremsen bzw. zu stoppen, wenngleich in unterschiedlichem Ausmaß. Die Dosierung beträgt bei Alendronat (Fosamax®) 10mg tgl., bei Risedronat (Actonel®) 5mg tgl., wobei von beiden Präparaten mittlerweile eine "Wochentablette" existiert (Fosamax® 70mg bzw. Actonel® 35mg), d.h. man braucht nur eine Tablette einmal pro Woche einzunehmen. Dies ist besonders wegen der möglichen Nebenwirkungen und wegen des nicht ganz unproblematischen Einnahmemodus von Bedeutung. Hier existiert seit Herbst 2005 für Ibandronat die Tablettenform mit einer nur einmal monatlichen Einnahme Bonviva®.
Die oben angeführten drei letzten Bisphosphonate (Pamidronat, Bondronat und Zolendronat) müssen intravenös als Infusion oder Spritze verabreicht werden. Der Vorteil dieser Präparate liegt darin, dass bei magenempfindlichen Patienten evtl. Nebenwirkungen der Bisphosphonate in Tablettenform vermieden werden können und diese nur in größeren Abständen - sozusagen als Depotpräparat - gegeben werden müssen. Beim Pamidronat (Aredia®) und Ibandronat (Bondronat® / Bonviva®) betragen die Abstände in der Regel 3 Monate. Aclasta® muss nur noch einmal im Jahr als Infusion gegeben werden.
Bisphosphonate können die Schleimhäute reizen. Das ist auch die hauptsächliche unerwünschte Nebenwirkung bei diesen Medikamenten. Betroffen sind bei der Einnahme in Tablettenform hiervon natürlich vor allem die Schleimhaut der Speiseröhre, des Magens und des Darms. Die möglichen Nebenwirkungen äußern sich daher hauptsächlich in Form von Übelkeit, Aufstoßen, Sodbrennen, Magenschmerzen oder Krämpfen. Betroffen sind davon besonders Patientinnen und Patienten, die ohnehin in diesem Bereich empfindlich sind. Daher sind hier die Einnahmevorschriften streng zu beachten. Bisphosphonate sollten möglichst (morgens und nüchtern) im Stehen mit einem großen Glas Leitungswasser eingenommen werden. Anschließend sollte man sich mindestens eine halbe Stunde nicht hinlegen! Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Passage durch die Speiseröhre und den Magen möglichst schnell geschieht und die Tablette nicht in irgendeiner möglicherweise vorhandenen Ausbuchtung in der Speiseröhre steckenbleibt.
Die Bisphosphonate sind von der chemischen Struktur her sehr ähnlich aufgebaut wie der Knochen selbst. Das ist der Grund, dass sich diese Bisphosphonate fast ausschließlich im Knochen anreichern, wo sie letztlich auch hin sollen. Genauer gesagt wird nur ein sehr geringer Anteil des eingenommenen Medikaments tatsächlich im Darm aufgenommen (resorbiert). Um diese sowieso schon sehr schwierige Aufnahme nicht ganz unmöglich zu machen, sollte der Magen tunlichst leer sein. Deshalb sollten die Bisphosphonate immer möglichst nüchtern, also gleich morgens nach dem Aufstehen eingenommen werden.
Bei den Bisphosphonaten, die als Infusion verabreicht werden, entfällt die Magen-Darm-Passage, weshalb die Gefahr dieser Nebenwirkungen nicht besteht. Diese werden meist Patientinnen und Patienten empfohlen, die entweder die Tablettenform nicht vertragen oder bettlägerig sind. Auch bei Patientinnen und Patienten, die aufgrund anderer Krankheiten bereits sehr viele andere Medikamente einnehmen müssen, sollte man an diese Option denken.
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