14.09.2007

Eli Lilly erhält neue FDA-Zulassung für Osteoporose-Medikament EVISTA

Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat für Raloxifen/EVISTA® die Brustkrebs Prophylaxe (Vorbeugung) als weitere Indikation zugelassen.

 

Die Indikation gilt eingeschränkt für zwei Frauengruppen:

1.) bei Frauen nach den Wechseljahren mit Osteoporose und
2.) bei Frauen nach den Wechseljahren mit einem hohen Brustkrebsrisiko.

EVISTA® hat jetzt also in den USA zwei Indikationen, nämlich die Osteoporose-Vorbeugung resp. -Behandlung und die Brustkrebs-Vorbeugung, obwohl - Achtung! - Raloxifen in Studien das Risiko von Thromboembolien und tödlicher Schlaganfälle erhöht.

Raloxifen gehört zu einer Medikamentenklasse, die SERM's genannt wird. Das Wirkprinzip der SERM's - selektive Estrogen-Rezeptor-Modulatoren - ist wie bei den Bisphosphonaten eine sehr effektive Hemmung des Knochenabbaus. SERM's wirken an den Osteoklasten (knochenabbauende Zellen). Der Name selektive Estrogen-Rezeptor-Modulatoren lässt eine gewisse Verwandschaft zu den Estrogenen vermuten, jedoch handelt es sich bei den SERM's weder um Estrogene noch um Hormone.

An der Gebärmutterschleimhaut oder an der Brust wirken die SERM's hingegen anders als Estrogene, nämlich wie Anti-Estrogene. Antiestrogene wie Tamoxifen werden seit langem zur Nachbehandlung bei Brustkrebs eingesetzt, um ein Rezidiv (erneutes Auftreten) zu verhindern. Als man entdeckte, dass Tamoxifen auch den Knochenstoffwechsel etwas positiv beeinflusst, hat man hier gezielt weiter geforscht und Raloxifen entwickelt. Raloxifen hat nicht nur eine wesentlich bessere Wirkung auf die Senkung der Knochenabbaurate als Tamoxifen, sondern es bewirkt im Gegensatz dazu keinerlei Stimulation der Gebärmutterschleimhaut. Dies ist auch ein Vorteil gegenüber einer Hormonersatztherapie mit Estrogenen in den Wechseljahren bei noch vorhandener Gebärmutter. Denn in dem Fall muss immer zusätzlich auch ein Gestagen zur gezielten Abblutung der Schleimhaut gegeben werden, da sonst ein Gebärmutterkrebs verursacht werden könnte. An der weiblichen Brust hat Raloxifen eine dem Tamoxifen vergleichbare Wirkung (eben wie ein Anti-Estrogen), was als Zusatzeffekt neben der Osteoporosetherapie auch eine signifikante Abnahme des Risikos für Brustkrebs bewirkt hat (im Gegensatz zu Estrogenen).

Ursprünglich war Raloxifen sogar zur Brustkrebs-Behandlung entwickelt worden. In dieser Indikation ist das Medikament aber bis heute nicht zugelassen. In den letzten Jahren wurden große Studien durchgeführt, welche die präventive Wirkung auf die koronare Herzkrankheit und auf Brustkrebs untersuchten. Eine präventive Wirkung auf die koronare Herzkrankheit wurde nicht gefunden, doch die Rate der Brustkrebserkrankungen sank:

In der Raloxifene Use for The Heart (RUTH)-Studie, der größten von insgesamt vier randomisierten kontrollierten Studie sank die Häufigkeit relativ um 44 Prozent (Hazard Ratio 0,56; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,38-0,83). Dies entspricht einer absoluten Reduktion um 1,2 invasive Brustkrebserkrankungen pro 1000 Anwenderinnenjahre.

Dieser Vorteil wird durch eine um 0,7/1.000 Anwenderinnenjahre vermehrte Rate tödlicher Schlaganfälle geschmälert. Das absolute Risiko von venösen Thromboembolien stieg in der RUTH-Studie um 1,2/1.000 Anwenderinnenjahre. Unter dem Strich ergab sich während der 5,6 Jahre Laufzeit der Studie kein Unterschied in der Sterberate von postmenopausalen Frauen, die Raloxifen einnahmen gegenüber den Teilnehmerinnen, die Placebo erhalten hatten (NEJM 2006: 355: 125-137).

Dennoch gelang es Eli Lilly im Juli 2007 die Gutachter der FDA von dem Sinn der Prophylaxe zu überzeugen. Die FDA setzte jetzt die damals von der Oncologic Drugs Advisory Committee (ODAC) gefassten Empfehlungen um. Die Fachinformation wurde jedoch mit einem prominenten Warnhinweis (boxed warning) versehen. Er macht auf die bestehende Kontraindikation bei Frauen mit venösen Thromboembolien in der Vorgeschichte aufmerksam. Ein erhöhtes Schlaganfallrisiko ist nach den Vorgaben der FDA keine absolute Kontraindikation. Voraussetzung für die Verordnung sei jedoch eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken in dieser Risikogruppe, fordert die Zulassungsbehörde.

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