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19.11.2007
Forsteo® auch für Männer zugelassenDas Parathormon-Fragment Teriparatid ist jetzt zur Osteoporose-Therapie bei Männern mit hohem Frakturrisiko zugelassen.Nicht nur Frauen, sondern auch Männer erkranken an Osteoporose. Rechtzeitige Fraktur-Prophylaxe ist deshalb bei Männern ebenso wichtig wie bei Frauen. Denn nach einer Fraktur ist bei Männern das Risiko für weitere Knochenbrüche ebenso hoch wie bei Frauen. Dies hat eine Studie ergeben (JAMA, 297, 2007, 387). 2003 veröffentlichte Lilly folgende Meldung: Osteoanabole Therapie bei schwerer Osteoporose Mit dem biotechnologisch hergestellten Parathormon-Fragment Teriparatid (PTH 1-34) steht ein neues therapeutisches Prinzip zur Verfügung, das sich in Studien auch bei schwerer Osteoporose als hochwirksam erwiesen hat. Es stimuliert die Osteoblasten und fördert so auf direkte Weise die Neubildung von Knochen. Teriparatid bietet durch seine osteoanabole Wirkung einen besonders starken Frakturschutz. Parathormon ist eine körpereigene, in den Nebenschilddrüsen gebildete Substanz, die im Körper als zentraler Calciumregulator fungiert und sowohl die Anzahl als auch die Aktivität der knochenaufbauenden Osteoblasten reguliert. Eine konstante pathologische Erhöhung der PTH-Serumkonzentration, etwa beim primären Hyperparathyreoidismus des Menschen, führt zu einer überwiegenden Aktivierung der Osteoklasten mit daraus resultierendem Knochenabbau. Parathormon wird als Peptid von 84 Aminosäuren freigesetzt (PTH 1-84). Die amino-terminale Sequenz 1-34 ist für seine biologische Wirksamkeit zuständig. Bei dem neuen Osteoporosemedikament handelt es sich um ein biotechnologisch hergestelltes, 34 Aminosäuren langes Fragment des endogenen Parathormons. Während ein dauerhaft erhöhter Parathormonspiegel osteokatabol wirkt, stimuliert Teriparatid bei intermittierender Applikation geringer Dosen dagegen (z. B. ein Mal täglich 20 µg = Zulassungsdosis) die Knochenneubildung. Es startet Signalkaskaden, die zu einer Aktivierung von bone lining cells zu aktiven Osteoblasten und zu einer Hemmung der Apoptose der Osteoblasten führt. Im Ergebnis wird durch Vernetzung der Trabekel und eine Zunahme der Kortikalisdicke neues, belastbares Knochengewebe aufgebaut. Damit wirkt Teriparatid anders als Antiresorptiva wie beispielsweise die Bisphosphonate, die über eine Hemmung der Osteoklasten einen Knochenabbau verhindern. Starker Frakturschutz durch verbesserte Mikroarchitektur Die Knochenwirksamkeit von Teriparatid war Endpunkt einer multinationalen, prospektiven, randomisierten, doppelblinden Frakturstudie mit 1.637 Frauen nach den Wechseljahren mit fortgeschrittener Osteoporose. Die Patientinnen hatten einen durchschnittlichen BMD (Bone Mass Density) T-Score von - 2,6 SD und bereits im Schnitt 2,3 vorbestehende vertebrale Frakturen. Sie erhielten täglich 20 µg bzw. 40 µg Teriparatid oder Placebo und zusätzlich eine Basistherapie mit Calcium (1.000 mg/Tag) und Vitamin D (400-1.200 IU/Tag). Die Ergebnisse der Studie belegen eindrucksvoll den Frakturschutz durch Teriparatid: Die besonders schmerzhaften schweren vertebralen Frakturen traten bei den mit 20 µg Teriparatid (dies entspricht der Zulassungsdosis) behandelten Frauen gegenüber Placebo um 90% seltener auf, multiple vertebrale Frakturen wurden um 77% reduziert. Das Risiko, extravertebrale Frakturen ohne adäquates Trauma zu erleiden, wurde um 53% gesenkt. Der Anstieg der Knochenmineraldichte an der Wirbelsäule war bereits nach drei Monatenn signifikant und betrug nach 21 Monaten Therapie 9,7%. Zunahme von Spongiosa und Kortikalis Die Verbesserung der Knochenmikroarchitektur konnte anhand von Micro-CT-Aufnahmen nachgewiesen werden. Dr. Yebin Jiang, San Francisco, analysierte Biopsien aus dem Beckenkamm von Patientinnen aus der Frakturstudie. Die dreidimensionale Ausmessung trabekulärer und kortikaler Parameter zeigte, dass das trabekuläre Volumen unter Therapie mit Teriparatid im Vergleich zu Placebo signifikant um 60% zunahm. Die trabekuläre Vernetzung nahm um 40% zu, während in der Placebo-Gruppe dagegen sogar eine Abnahme der Vernetzung um 5% registriert wurde. Die Dicke der Beckenkamm-Kortikalis nahm in der Teriparatid-Gruppe ebenfalls deutlich um 29% zu, ohne porösen Knochen zu bilden. "Die Behandlung mit Teriparatid führt zu einer deutlichen Zunahme der spongiösen Vernetzung und der Dicke des kortikalen Knochens", lautet die zusammenfassende Analyse von Jiang. Dies führe zu einer höheren biomechanischen Belastbarkeit des Knochens und sei eine Erklärung für den starken Frakturschutz durch Teriparatid, so sein Fazit. Der hohe Frakturschutz zahlt sich auch hinsichtlich der Lebensqualität der Betroffenen aus. So klagten die Patientinnen der Teriparatid-Gruppe signifikant seltener über neu aufgetretene oder verschlimmerte Rückenschmerzen. Eine weitere Bestätigung der Wirksamkeit von Teriparatid gibt der Erhalt der Körpergröße von Patientinnen mit Wirbelfrakturen. Während die Frauen der Placebogruppe im Laufe der Beobachtungsdauer aufgrund von Wirbelkörperfrakturen durchschnittlich um 1,1 cm an Größe verloren, blieb die Körpergröße der mit Teriparatid behandelten Frauen nahezu konstant. Auch Männer profitieren von Teriparatid Die Ergebnisse einer von Professor Eric Orwoll, Portland/USA durchgeführten Studie belegen, dass Teriparatid bei Männern die gleiche Wirksamkeit wie bei Frauen entfaltet. Bei einer randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudie mit 437 Männern mit Osteoporose injizierten sich die Studienteilnehmer selbstständig täglich entweder Placebo oder 20 µg bzw. 40 µg Teriparatid. Zusätzlich erhielten alle Teilnehmer Calcium und Vitamin D. Die Wirkung von Teriparatid auf den Knochenaufbau wurde in dieser Studie anhand von biochemischen Markern (z. B. knochenspezifische Alkalische Phosphatase) gemessen. Bereits einen Monat nach Therapiebeginn zeigte sich ein deutlicher Anstieg der Osteoblasten-Aktivität. Die höchste Konzentration der biochemischen Marker für den Knochenaufbau wurde nach sechs bis zwölf Monaten Therapie erreicht (Zunahme der knochenspezifischen Alkalischen Phosphatase in der 20 µg-Gruppe nach 6 bis 12 Monaten um 29%). Neben einer hohen Wirksamkeit zeichnet sich Teriparatid durch eine gute Verträglichkeit aus: Nebenwirkungen sind Dosis-korreliert, selten und in der Regel von geringem Schweregrad. Die einzigen unerwünschten Wirkungen, die unter Teriparatid signifikant häufiger als unter Placebo auftraten, waren Wadenkrämpfe (3% vs. 1% unter Placebo) und Schwindel (9% vs. 6%). Eine leichte vorübergehende Erhöhung des Calciumspiegels in den ersten vier bis sechs Stunden nach der Injektion von PTH blieb fast immer unter 2,8 mmol/l (oberer Referenzbereich 2,6 mmol/l). Trat eine Erhöhung des Serumcalcium bei wiederholten Messungen auf, wurde die Dosis von Teriparatid reduziert; dies war lediglich bei 3% der mit 20 µg behandelten Patientinnen der Fall. Die europäische Zulassungsbehörde (EMEA) hat dem Parathormonfragment (PTH 1-34) Teriparatid (Forsteo®) im Juni 2003 die Zulassung zur Behandlung der manifesten Osteoporose bei Frauen nach den Wechseljahren erteilt. In den USA ist Teriparatid unter dem Namen Forteo zur Therapie der Osteoporose bei Frauen und Männern gleichermaßen zugelassen. s.a.: Forteo® / Forsteo® Literatur: Neer, R. M. et al., N Engl J Med, 2001, 344 (19): 1434 - 1441 Orwoll, E. et al., J Bone Miner Res, 2003, 18 (1): 9 - 17 Zurück |
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